Problemraum

Problemraum und Vision

Wertstoffkreislauf

Für die zukünftige, stabile Entwicklung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit Deutschlands und der Weltwirtschaft ist eine sichere und nachhaltige Rohstoffversorgung in der industriellen Produktion von herausragender Bedeutung und eine unentbehrliche Grundlage für Wachstum und Beschäftigung in der Gesellschaft. Besonders Zukunftsfelder wie Informations- und Kommunikationstechnologie, Mobilität, Energie- und Umwelttechnologie erfordern eine zunehmende Material- und Rohstoffvielfalt.

 

Am Beispiel des Nebengruppen-Metalls Tantal lässt sich der Zusammenhang zwischen Hightech-Inputstoff und Sekundärrohstoff deutlich aufzeigen: erstmalig in reiner Form hergestellt 1903, wurde es nach ersten Einsätzen als Werkstoff für Glühfäden und als Zusatz in Radioröhren mehr und mehr in Hochleistungselektronik, wie z. B. Mikrokondensatoren verbaut. Durch den steigenden Einsatz der Mikroelektronik in Produkten wie Mobiltelefonen und Automobilen werden ca. 60 % der geförderten Jahresmenge (1.400 t/a) an solche Produkte gebunden [1]. Nach Rommel et al. [2] liegt für das eben aufgeführte Beispiel des Tantals allein im Restabfall (Graue Tonne) ein Wertstoffpotential von 6•10-4 kg/(E•a). Rechnet man dies auf den jährlichen Anfall in Deutschland hoch, (80,2 Mio. Einwohner in Deutschland) entspricht der im Restabfall befindliche und somit nicht wieder genutzte Stoffstrom an Tantal etwa 3 % der weltweit jährlich produzierten Menge.

 

Auch für viele weitere Rohstoffe existiert dieses Problem. Dem steigenden Bedarf dieser wirtschaftsstrategischen Wertstoffe stehen oft verschwindend geringe Recyclingquoten gegenüber. Eine nachhaltige Rohstoffversorgung der Hightech-Industrie ist somit nicht gegeben; das Recycling als alternative Rohstoffquelle muss dazu zukünftig deutlich stärker genutzt werden. Bisher weitestgehend ungenutzte Potentiale diesbezüglich exisitieren in den aktuellen Abfallströmen.

 

Gerade für Ostdeutschland ist das Thema virulent, wie beispielsweise das „Ostdeutsche Rohstoffsymposium“ [3] zeigte, wo Rohstoffverfügbarkeit, Rohstoffsubstitution und Möglichkeiten der Reduzierung des Einsatzes kritischer Rohstoffe in den Unternehmen diskutiert wurden. Mit diesem Konzept teilt das Initialkonsortium RECYCLING 2.0 die Vision des deutschen Rates für Nachhaltige Entwicklung, langfristig eine nahezu vollständige Kreislaufwirtschaft zu erzielen. Im Ergebnis sind Impulse auch weit über die Landesgrenzen hinaus zu erwarten.

 

 

"Die Zukunft liegt in der Minimierung des absoluten Rohstoffverbrauchs und in einer ganzheitlichen Betrachtung des Lebenszyklus eines Produktes, angefangen beim Produktdesign über die Produktion und Nutzung bis hin zur Erfassung der Produkte am Lebensende und ihre Rückführung in den Kreislauf."

Rat für Nachhaltige Entwicklung [4]

 

 

Um den Weg in die Recyclinggesellschaft zu beschreiten, ist daher – trotz aller bisherigen Anstrengungen und beispielhaften Erfolge Deutschlands – ein Paradigmenwechsel notwendig: weg vom Recycling einiger ausgesuchter Stoffströme hin zu einer systematischen „Bewirtschaftung“ bislang ungenutzter massenreicher heterogener Stoffströme der Abfallwirtschaft. Auch Wertstoffe in geringen Konzentrationen addieren sich in großen Massenströmen zu erheblichen Potentialen auf. Bei gleichzeitiger optimierter Konfektionierung der Hauptmaterialströme wird deren Rückgewinnung zur Verwertung entscheidend zu einer wettbewerbsfähigen Sekundärressourcenwirtschaft beitragen. Bis zur Realisierung der hier skizzierten effizienten Rohstoffbewirtschaftung entsprechend unserer Vision Wertstoffwende stellen sich ungelöste Herausforderungen in den genannten Arbeitsfeldern Ressourcenrückführung, Technologien zur Sekundärrohstoffanreicherung, Verwertungsmethoden sowie Märkte/Marktsteuerung.

 

Quellen:

[1]

Stand: 2007, Berlin Recyclingkonferenz 2013

[2]

Rommel, Wolfgang; Hertel, Markus; Nordsieck, Hermann (2011): Theoretisches und nutzbares Wertstoffpotenzial im Restabfall. In: Karl J. Thome-Kozmiensky und Daniel Goldmann (Hg.): Recycling und Rohstoffe. Band 4. Neuruppin:TK, 2011

[3]

Veranstaltet durch die Industrie- und Handelskammern der Neuen Bundesländer Ende 2012 in Halle

[4]

Rat für Nachhaltige Entwicklung: Wie Deutschland zum Rohstoffland wird, 19. Mai 2011, S.8

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